Impressum   Datenschutz Folge 4: Schilddrüse und Jod Jod ist essentiell für eine normale Schilddrüsenfunktion. Ohne Jod können die Schilddrüsenhormone nicht gebildet werden. Die Schild- drüsenhormone wiederum sind an zahlreichen Stoffwechselprozessen und der Kreislaufregulation beteiligt. Eine regelrechte Schilddrüsen- tätigkeit ist eine der Voraussetzungen einer normalen Entwicklung des Kindes im Mutterleib. Im Wachstumsalter sind die Schilddrüsenhormone besonders wichtig, denn sie beeinflussen die körperliche Entwicklung sowie die Reifungsvorgänge des zentralen Nervensystems und die damit verbundene intellektuelle Leistungsfähigkeit. Zu den jodmangelbedingten Schilddrüsenerkrankungen zählt vor allem das übermäßige Wachstum und Wucherung des Schilddrüsengewebes (sogenannter Kropf oder Struma). Jod als lebenswichtiges Spurenelement muss mit der Nahrung aufge- nommen werden. Das gilt ohne Ausnahme für jedes Lebensalter. Auf- grund einer hohen Löslichkeit der natürlich vorkommenden Jod- Verbindungen sind durch Erosionsprozesse in unseren Böden lediglich geringe Spuren des Jods nachweisbar. Entsprechend enthält die natürliche, regionale Nahrungskette wenig Jod. Dieses Spurenelement wird daher künstlich in Form von jodiertem Speisesalz (Kaliumjodid) zugeführt, um eine bessere Versorgung zu gewährleisten. Die Jodgehalte in Milch und Milchprodukten sowie Fleischprodukten können nennenswert sein, allerdings ist hier die Fütterung der Tiere ausschlaggebend. Beim Einkauf in Bäckerei und Metzgerei sind mit Jodsalz hergestellte Produkte zu bevorzugen. Gleiches gilt bei der Auswahl von Fertiggerichten, Tiefkühlware oder beispielsweise Fertigsaucen und anderen vorge- fertigten Produkten (Zutatenverzeichnis beachten). Die Jodierung des Speisesalzes hat sich in zahlreichen Ländern mit Jodmangel als wirksames Mittel zur Verbesserung der Jodversorgung bewährt. Für Deutschland gilt die Verwendung von Jodsalz im Privathaushalt als wichtige Vorbeugungsmaßnahme vor jodmangelbedingten Schild- drüsenkrankheiten. Ca. 80 Prozent der Haushalte machen davon bereits Gebrauch. Die letzte Querschnittsstudie der WHO (Iodine deficiency in Europe; 2007) zeigte für Deutschland eine deutliche Verbesserung der Jodversorgung seit Anfang der 90-iger Jahren. Trotzdem besteht dennoch weiterhin ein milder Jodmangel. In der Vorbeugung und Behandlung der jodmangelbedingten Struma wird daher auf eine ausreichende Versorgung mit Jod - über die Ernährung oder in Form von Jodid-Tabletten - zu achten sein. Bei bestimmten vorbestehenden Schilddrüsenerkrankungen ist die zusätzliche Jodierung der Nahrung nachteilig. In diesen Fällen werden Sie von Ihrem Arzt entsprechend informiert. Eine Jodallergie im klassischen Sinn gibt es nicht, das anorganisches Jod nicht allergen wirken kann. Allerdings werden eine Jodunverträglichkeit bei jodhaltigen Substanzen (Medikamente, Röntgenkontrastmittel, Desinfektionsmittel u.a.) beobachtet. Exzessive Jodmengen können den Schilddrüsen- funktion beeinflussen. Die empfohlene tägliche Jod-Zufuhr ist abhängig von Alter oder bestehende Schwangerschaft. Jugendliche und Erwachsene werden 180 bis 200 µg Jod täglich empfohlen. In der Schwangerschaft und Stillzeit steigt der täglich Bedarf auf 250 µg Jod. Exemplarischer Jodgehalt verschiedener Nahrungsmittel (Pfannenstiel 1999)     Jodmittelwert pro Erforderliche Verzehrmenge     100 g essbarem Anteil   für 100 µg Jod Fisch Schellfisch    416 µg            24 g Seelachs    260 µg  38 g Scholle    190 µg            52 g Kabeljau    139 µg            77 g Goldbarsch      74 µg          135 g Auster      58 µg          170 g Heilbutt      52 µg          190 g Hering      52 µg          190 g Thunfisch      50 µg          200 g Aal        4 µg        2500 g Regenbogen- forelle     3,2 µg        3100 g (Süßwasserfisch) Getreide Reis     2,2 µg       4500 g Haferflocken        4 µg       2500 g Weißbrot     8,5 µg       1200 g Fleisch Schweinefleisch        3 µg      3300 g Rindfleisch        3 µg        3300 g Kalbfleisch     2,8 µg      3600 g Eier Hühnereier    9,7 µg      1050 g Gemüse Kartoffel    3,8 µg                2650 g Radieschen                 8 µg     1250 g Spinat     20 µg       500 g Milch Kuhmilch    3,7 µg     2700 g mind. 1,5% Fett Stand September 2016 Dr. Scheck