Impressum   Datenschutz Folge 1: Schilddrüse, Kinderwunsch, Schwangerschaft Erkrankungen der Schilddrüse, insbesondere Hormonstörungen, treten bei Frauen deutlich häufiger auf als bei Männern. Einen wesentlichen Anteil daran hat die insbesondere bei jungen Frauen im gebährfähigen Alter zu beobachtende Unterfunktion der Schilddrüse infolge einer Hashimoto-Thyreoiditis. Aufgrund eigener Zahlen aus unserer Schild- drüsensprechstunde liegt das Risiko an einer Hashimoto-Thyreoiditis zu erkranken für Frauen ca. 10-fach höher als für Männer. Ungefähr 10 % aller Frauen mit Störungen der Fruchtbarkeit haben eine Schilddrüsen- funktionsstörung, insbesondere eine Unterfunktion. Unter anderem führt ein Schilddrüsenhormonmangel zu einer Erhöhung des Blutspiegels an Prolaktin, das seinerseits bei zu hoher Konzentration Zyklusstörungen sowie fehlende Ausreifung von Eizellen bewirken kann. Die Einnahme von Schilddrüsenhormonen kann diese Ursache einer ausbleibenden Schwangerschaft korrigieren. Nach neueren Erkenntnissen beeinflußt selbst ein geringer Schilddrüsenhormonmangel (latente Hypothyreose) die Fruchtbarkeit ungünstig und sollte daher behandelt werden. Hier bedarf es einer sehr sorgfältig dosierten und durch regelmäßige Kon- trollen der Laborparameter überwachten Schilddrüsenhormon-Substitu- tion. Bei einer Überfunktion der Schilddrüse kommt es ebenfalls zu Zyklusstörungen, die Eisprung scheint jedoch nicht beeinträchtigt zu sein. Nach Eintritt einer Schwangerschaft produziert eine gesunde Schilddrüse 30-50 % mehr Hormon, um sowohl den mütterlichen als auch fetalen Bedürfnissen Rechnung zu tragen. Die natürliche Fehlgeburtsrate in dieser Zeit liegt bei 3% bezogen auf alle Schwangerschaften. Im Fall einer zuvor nicht bekannten oder nicht behandelten Hashimoto- Thyreoiditis steigt die Fehlgeburtsrate auf das Doppelte auf 6% an. Schon bei Kinderwunsch sollte daher, insbesondere bei familiärer Häufung von Schilddrüsenerkrankungen, eine Schilddrüsenuntersuchung erfolgen (TSH, fT4, TPO-Antikörper, Ultraschalluntersuchung). Bis zirka zur zwölften Schwangerschaftswoche ist der Fetus von der mütterlichen Hormonversorgung abhängig. Bei unzureichender Hormonversorgung in dieser Phase der Gravidität, z.B. bei nicht behandelter mütterlicher Schilddrüsenunterfunktion, kann es zu irreversiblen kindlichen Entwick- lungsstörungen kommen, die nach der Entbindung durch eine Hormon- substitution nicht mehr völlig rückbildungsfähig sind. In diesem Zusammenhang ist insbesondere die kindliche Hirnentwicklung zu erwähnen. Nach Anlage der fetalen Schilddrüse ist ab der Schwanger- schaftsmitte eine ausreichende Hormonsynthese von der mütterlichen Jodversorgung abhängig. Als ausreichend wird allgemein die tägliche Jodidzufuhr der Schwangeren von 250 ug täglich angesehen. Eine sichere Jodmangelprophylaxe von Schwangeren (und Stillenden) ist durch folgende Maßnahmen gewährleistet (Bundesinstitut für Risikobewertung, BfR): Ausschließliche Verwendung von jodiertem Speisesalz Bevorzugung der unter Verwendung von jodiertem Speisesalz hergestellten Lebensmittel, insbesondere Back- und Fleischwaren Regelmäßiger Verzehr von Seefisch und Milch Tägliche Supplementation von 100-150 ug Jodid in Tablettenform Stand September 2016 Dr. Scheck